Ausgangspunkt/Ziel:
Initiierung von kollaborativen
Prozessen zwischen deutschen und südafrikanischen Künstlern
auf der Nord-Süd-Achse Kapstadt-Köln:
Setzung von kollaborativen
Projekten als Prozesse interkultureller Verzahnung, an deren
Mittelpunkt die sich aus der Zusammenarbeit ergebenden “Fehler” und “Zufälle” stehen.
Hauptziel ist das Errichten einer lebendigen Infrastruktur
zwischen zwei verschieden konfigurierten und sich befruchtenden
Polen.
Konzeptionelle Verdichtung der Ideen im Austausch
mit anderen:
Dabei geht es
als Alternative zu einer generell verbreiteten inter-
und intradisziplinaeren Konkurrenz um das Fördern von
Netzwerken von Zusammenarbeit in künstlerischen Prozessen.
Zu diesem Zweck dient auch der Einsatz von zeitgenössischen
technischen Medien, denen gängige Bild-, Ton und Textformate
zugrunde liegen.
Wichtiges Thema ist die Dynamik des Entstehens und Vergehens
in den unterschiedlichen kulturellen Architekturen des menschlichen
Umfeldes.
Umgang mit den für das Projekt 'Upland07'
erforderlichen Techniken:
Dokumentarisches,
aber die Konventionen des Dokumentarischen brechendes Vorgehen
unter Einbeziehung von Ton- und Videotechnik, Photographie und
Editierprogrammen. Es werden Vorgehensweisen erarbeitet und
ausgeführt, die im Sinne einer klassischen Dokumentation als ‘nebensächlich’ und ‘beliebig’ gelten
würden, die aber hier als aesthetische, emotionale und
idiosynkratische Hör- und Sichtweisen im Vordergrund
stehen sollen. Die Arbeitsweise ist also bewusst “unsachlich”,
eine Struktur aus meta-dokumentarischen Methoden: Obsessives
Sammeln mit und/oder ohne vorfixierte Kriterien, choreographiertes
Erfahren und gespieltes Interagieren.
'Upland07' entwächst einem Komplex
mehrerer fortlaufender und abgeschlossener Arbeiten, in denen
über das Experimentieren mit audio-visuellen Kompositionstechniken
hinaus kulturelle Erfahrungshorizonte erweitert wurden und werden.
Perspektive:
Das Medium Performance ist fuer
die Arbeit mit dem gesammelten Material zentral.
Es werden Eigenschaften der musikalischen/theatralischen
Vorführung mit der inhärenten Starre des traditionellen Kunstobjektes
gekoppelt und dadurch ein neues kreatives Feld geöffnet.
Die Arbeit mit den audiovisuellen
Möglichkeiten der Neuen Medien steht den getrennt ritualisierten
und formalisierten Vorgehensweisen in der Produktion und Rezeption
von Bildender Kunst einerseits und Musik/Theater andererseits
als innovative Alternative gegenueber.
Das dokumentarische Element
kommt aus der Notwendigkeit, mit Hilfe moderner Technologie
etwas von der Welt darzustellen, ohne sich in einer vorgeformten
Aesthetik zu verwickeln: Die abstrakten Qualitäten des Mediums
Video zum Beispiel werden gerade in der rigorosen Verfolgung
seiner darstellenden Qualitäten zu ihrer Aussagekraft gebracht.
Als Beispiele der erwähnten
Materialsammlung:
1) Es wird in Alltagsaufnahmen in Echtzeit eingegriffen,
und es werden scheinbar unsinnige Zusatzelemente bestimmt.
2) Missverständnisse und unsichtbare Zu(sammen)fälle werden inszeniert
um eine Komposition zu steuern, die erst spaeter hör- und sichtbar wird.
Ergebnis der Arbeiten ist ein
Klang-und-Bild-Werk, für dessen Herstellung unter anderem Performances
notwendig waren, und welches trotz seiner physikalischen Starre
als Kunstobjekt auf dynamische Art über sich selbst hinauszuweisen
vermag.
Es geht um den Versuch, bislang seperate Disziplinen - Musik,
Photographie, Video, Bildhauerei, Performance/Theater und
computerbasiertes Schaffen - in neue Sinnzusammenhänge
zu fügen.
Es gilt ein Erkenntnis- und
Erfahrungs-Potential zu schaffen, das über dasjenige mono-medialer
Kunstwerke aus anderen Epochen hinausgeht: Fragen und Aussagen
auszulösen, die aus einer kritischen Auseinandersetzung mit
der Jetzt-Zeit entstehen, aber eben nicht einer allgemein sanktionierten
Version des Zeitgeistes angehören.
Skizze:
Das audio-visuelle Ensemble:
Ein dynamisch konzipierter Kreisverkehr
verschiedener Informationskapseln zwischen Spezialisten und “Universalgenies” aus
den Bereichen Klang, Bild und Performance.
Klangmotive (Geräusch - Musik), Bildmotive (bewegtes -
stilles Bild) und eventuell notwendige zusätzliche Ideentraeger
werden aufgezeichnet und zur Bearbeitung ausgetauscht.
Offene und vorgegebene Parameter (Uhr- und GPS-Lesungen,
musikalische “Gesetze”,
Bildformate, etc.), die Eigendynamik des Materials und
das konzentrierte Sammeln, Organisieren und Verwerfen der
Motive wirken sich auch auf die Verhältnisebenen innerhalb
der gespeicherten und sich entwickelnden Informationen
aus - ein dynamischer Prozess wachsender Erfahrungen und
Erkenntnisse.
Beispiel eines Ablaufs:
(Eine Kapsel reist mit Aufzeichnungen ab, wird gefüllt, restrukturiert
und weitergeschickt, kehrt zurück und entleert sich)
1) Klang- und Bildmotive
werden aufgezeichnet
2) in einer Zeitkapsel
auf Ton- und Bildtraegern verschickt
3) verschmelzen auf mehr oder weniger kontrollierte Art mit
anderen Motiven andernorts
4) werden hin- und zurueckgeschickt,
5) bis die Kapsel am Ursprungsort wieder geoeffnet wird und
ihrer “Heimat” eine neue, bedeutungsvolle Perspektive verschafft.
Dokumentationen, Installationen,
Workshops und Aufführungen, d.h. Integration des verwendeten
Materials und der Mitwirkenden: Ein neues Netzwerk vieler
(un)ähnlicher Klänge und Lichter, das Perspektiven zwischen
Zentren und Peripherien der Welt erstellt.
Die Offenheit des Projekts
ist für die Mitwirkenden gleichzeitig die Chance, alternative
Angebote ihres Lebens-Studiums wahrzunehmen, anzuwenden und
getroffene Aussagen permanent weiterzuentwickeln
und zu hinterfragen.